Digitale Transformation und Blue Collar Workers – wie bringt man sie zusammen?

Mittlerweile hat der digitale Wandel nahezu alle Unternehmen und Organisationen mehr oder weniger intensiv erfasst und man könnte meinen, dass er damit auch alle Unternehmensbereiche erreicht hat.

Tatsächlich ist es aber so, dass während die Veränderungs- und Vernetzungsprozesse auf den unterschiedlichen Verwaltungsebenen schnell voranschreiten, der Produktionsbereich davon weitgehend ausgenommen bleibt — ein großer Teil der Produktionsmitarbeiter, der sogenannten Blue Collar Workers, partizipiert bisher nicht an diesen Unternehmensprozessen. Und dabei könnten gerade diese Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag zur Wissenssicherung leisten, denn das Know-How über Produktionsabläufe ist genau dort angesiedelt. Wie aber geht man eine solche Integration an, damit sie gelingt und am Ende von nachhaltiger Akzeptanz ist?

Dass die digitale Transformation kein Selbstläufer ist, zeigt sich auch daran, dass die Goethe-Universität in Frankfurt ab Herbst diesen Jahres den Studiengang „Master of Digital Transformation Management“ anbieten wird, in dem es u.a. darum geht, die Chancen und Risiken der Digitalisierung zu erkennen und ein kritisches Reflexionsvermögen bzw. eine entsprechende Urteilsfähigkeit zu entwickeln, die Führungskräfte in die Lage versetzen soll, die Dimensionen des digitalen Wandels umfänglich zu verstehen und den Wandel in ihrem Unternehmen zu gestalten. Über alle Bereiche hinweg.

Man ist sich darüber einig, dass digitale Transformation „von oben“ kommen und sich in der (Kommunikations-)Kultur des Unternehmens widerspiegeln muss. Das allein reicht aber nicht: Um einem „digital divide“, also einer digitalen „Kluft“ zwischen partizipierenden und nicht partizipierenden Mitarbeitern im Unternehmen vorzubeugen, muss die digitale Transformation in möglichst vielen Köpfen und im gemeinschaftlichen Handeln verankert werden. Auch in der Produktion. Im Privaten hat die Digitalisierung längst Einzug in den Alltag gefunden: Online Banking, Online Shopping, Online Booking – all das gehört zu fast jedermanns täglicher Routine. Warum wird dann die Digitalisierung am Produktionsarbeitsplatz nur zögerlich vorangetrieben? Ach ja: An Produktionsarbeitsplätzen stehen in der Regel keine Computer. Dafür hat aber mittlerweile jeder ein Smartphone, warum also diese mobilen Endgeräte nicht auch beruflich nutzen? Damit wäre zumindest ein Anfang gemacht. Und geeignete Anwendungsfälle ließen sich für diesen ersten Schritt zur Vernetzung leicht finden: So wie der Speiseplan der Kantine in keinem Intranet fehlen darf – der übrigens auch in der Produktion bestimmt auf positives Echo stoßen würde und damit endlich den papiernen Aushang ersetzen könnte –, so hilfreich wäre eine digitale Verfügbarkeit von Schicht- und Einsatzplänen. Wenn Mitarbeiter aus einer Sache einen unmittelbaren Nutzen ziehen, kommt die Akzeptanz von selbst. So beginnt Vernetzung und irgendwann resultiert daraus aktive Kollaboration: Wenn nämlich aus reiner Teilhabe Teilgabe wird und auch Produktionsmitarbeiter ihr Wissen dokumentieren und teilen, dadurch Probleme schneller erkennen und beheben können und Impulsgeber für neue Ideen werden.

Vermutlich werden wir es hierbei weniger mit einem revolutionären, als vielmehr einem evolutionären Prozess zu tun haben, mit Trial-and-Error-Szenarien, die dann hoffentlich zu Best Practices führen. Aber wie so oft könnte auch hier der Weg das Ziel sein – ein Weg, auf dem man ausprobiert, verwirft, neue Erkenntnisse gewinnt, einen Nutzen erkennt und ganz nebenbei „digital“ wird.

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