MOOCathon #cl2025 – Runde 6 | Viessmann und die Suche nach der Neugierde

In dieser Woche, die durch das Viessmann-Team wie ein Fahrradrennen a la Tour de France strukturiert worden war, widmete man sich gezielt der Frage, ob es einen neuen Typus des Lernenden gibt und wenn ja, wie dieser wohl aussehen mag. Was sind die Einflussfaktoren, die den heutigen eher strukturierten Lernenden zu einem selbstorientierten Lernenden machen können und welche Rahmenbedingungen werden dazu benötigt? Herausgekommen ist eine bis zum Freitag spannend bleibende Woche, vollgepackt mit spannenden Anregungen und Ideen, welche wir auch innerhalb der GIS weiterdenken werden.

Montag: PROLOG – Die neuen Lernenden: Megatrend oder Fake News?

Die ersten spannenden Einblicke in die Viessmann-Welt gab es aber bereits zu Beginn der Woche im Zuge der kurzen Vorstellung des Unternehmens. Mit der Viessmann-Academy möchte das Unternehmen seine Zielgruppe der Installateure und Heizungsbauer bedarfsgerecht unterstützen. Seine Partner frühzeitig miteinzubeziehen hat für Viessmann diverse Vorteile, indem man so immer mehr Produkte kundenorientierter und vernetzter entwickeln kann. Eines der aktuell meist erwähnten Buzzwords “Internet of Things (IoT)” wird dadurch bei Viessmann nicht nur gedacht sondern bereits aktiv betrieben. Immer mehr Produkte und Anwendungen werden über das Internet bzw. über mobile Endgeräte gesteuert und betreut, was somit einen direkten Einfluss auf Produktentwicklung und die damit verbundene Weiterbildung der Mitarbeiter hat.

Ist es aber wirklich ein (Mega)-Trend oder oder ist die “Existenz” des neuen Lernenden eher eine Fake News? Nun wir denken die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte. Ein Trend ist es derzeit in jedem Fall, da sich es in vielen Bereichen der Digitalisierung um die gezielte Ansprache an die Zielgruppe geht und natürlich damit verbunden auch um die Analyse der tatsächlichen Bedürfnisse der Zielgruppe. Von daher passt der Trend, Mega Trend würden wir nicht sagen, in das Gesamtbild einer zunehmenden Digitalisierung. Wir würden auf der anderen Seite nicht soweit gehen, zu behaupten, dass es sich um Fake News handelt. Denn es finden in der Tat aktuell viele Veränderungen, auch im Bereich (Social) Learning statt, welche, um in der Sprache zu bleiben, Real News sind (wie zum Beispiel den Wunsch der Teilnehmer nach flexiblen Weiterbildungsangeboten).

Ein Aspekt der ebenfalls auf die Weiterentwicklung des Lernens hindeutet ist die Erkenntnis, dass die Vernetzung immer wichtiger wird und die Nachfrage nach neuen Lern-Formaten, wie MOOC’s oder Barcamps, immer lauter werden. Das liegt zum einen an den privaten Erwartungshaltungen der Mitarbeiter zum anderen aber auch an der immer rasanter steigenden Anzahl an Teilnehmern. Da macht der MOOC als Massive Open Online Course seinem Namen alle Ehre. Viessmann setzt ebenfalls auf die in Deutschland noch sehr zurückhaltend genutzte Maßnahme der Gamification, in dem für unterschiedliche Zertifizierungsgrade unterschiedlich farbige (virtuelle) Gürtel vergeben werden. Ein äußerst spannender Ansatz um mehr Bewegung und Anreize zu schaffen. Auch werden im Rahmen der Weiterbildungsmaßnahmen nicht job-orientierte Angebote zur Verfügung gestellt, welche den gesundheitlichen Bereich abdecken (z.B.: Kurse zur Burn-Out Prävention).

Während sich Unternehmensführungen und Mitbestimmungsgremien in anderen Unternehmen noch über die Formalitäten des neuen Lernens Gedanken machen, hat man dies bei Viessmann bereits gelöst. Jeder Mitarbeiter hat 2 Stunden in der Woche Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen. Auch das oftmals leidige Thema einer Internetsperre oder eine Sperre einiger Plattformen ist bei Viessmann flächendeckend beseitigt. So hat jeder Mitarbeiter einen Internet-Zugang und Zugriff auf Plattformen, wie beispielsweise YouTube und wird angehalten diese im Rahmen seiner Weiterbildung auch zu nutzen. Nachfolgend die Anwendungsübersicht möglicher Weiterbildungsmaßnahmen welche in der Auftakt-Session am Montag vorgestellt wurde.

Eines der Learnings des Viessmann-Teams zu diesem Zeitpunkt war, dass alle Angebote so angeboten werden müssen, dass diese auch von Zuhause aus funktionieren.

Besonders spannend fanden wir bereits in der Live-Session am Montag den Hinweis des Viessmann-Teams, sich mittels Design Thinking-Methode den wahren Bedürfnissen der Lernenden zu nähern. Die passende Antwort auf eine Frage von Andreas fügen wir nachfolgend ein und bedanken uns für die detaillierte Antwort!

Wie auch in den Wochen zuvor gab es auch diesmal wieder Aufgaben für die Teilnehmer.

Bitte beschreibt kurz, was aus Eurer Sicht die selbstorganisiert Lernenden gegenüber den traditionell Lernenden auszeichnet. Welche Kompetenzen müssten aufgebaut werden um den Anteil selbständiger Lerner zu erhöhen?

Hier gab es im Rahmen der Kommentare dieses Tages eine Vielzahl an Definitionen, die wir in jedem Fall zur Durchsicht empfehlen möchten. Zwischenfazit für uns ist, dass selbstorganisierte Lernende sich u.U. auch bedingt durch die andere Nutzung privater Kanäle im Social Media Bereich gänzlich anders organisieren und steuern. Gegenüber einem traditionell Lernenden sind sie in der Lage benötigte Lerninhalte eigenständig zu identifizieren und hinsichtlich des persönliches Zieles in die Lernentwicklung zu integrieren. Auch haben selbstorganisierte Lernende weniger Schwierigkeiten das Lernen in den beruflichen Alltag zu integrieren. Von daher finden wir die durch das Viessmann-Team vorgestellt interne Regelung der 2 Stunden Lernzeit (pro Mitarbeiter/pro Woche) sehr spannend, da hierdurch der Druck und die Hemmungen sich mit dem persönlichen Lernen zu beschäftigen deutlich reduziert werden.

Dienstag: STARTETAPPE – Neugierde, oder: Die Eine hat’s, der Andere nicht!?

Am Dienstag ging es dann auf die Startetappe und es drehte sich alles um die Neugierde und ihre besondere Bedeutung in der persönlichen Weiterbildung und Entwicklung. Was bedeutet Neugierde im Allgemeinen, im Kontext der Weiterbildung und wo sind die Unterschiede zwischen der heutigen Zeit im Gegensatz zur Vergangenheit? Wie in vielen privaten Bereichen haben auch im beruflichen Umfeld die neu hinzugekommenen Technologien einen immensen Anteil an dieser Veränderung. Doch was schon früher da gewesen ist, ist auch heute noch da und ist wichtiger denn je – die Neugierde. Konnte man sich früher noch strukturiert weiterbilden, stellt dies heutzutage in der digitalen Welt immer mehr ein Problem dar. Man bewegt sich in der eigenen Komfortzone und dem damit verbundenen sicheren und bekannten Umfeld wesentlich lieber als außerhalb. Die neuen Chancen, welche es außerhalb der Komfortzone gibt, werden durch Risiken überdeckt welche dann dazu führen, dass in der Komfortzone verblieben wird. Und genau hier kommt dann die Neugierde ins Spiel. Denn “Neugier ist DER zentrale Antrieb, sich für die Welt außerhalb der eigenen Komfortzone zu interessieren – im Zeitalter der Digitalisierung ein wesentlicher Erfolgsgarant!” (Quelle: Viessmann am Dienstag).

Mittwoch: ZEITFAHREN – Motivation, oder: “Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen”

Der Titel des Tages lässt es schon vermuten. Es geht um die Frage, wie man ein Zeitfahren durchsteht. In diesem Falle ist mit Zeitfahren natürlich die Lernreise über einen längeren oder gar lebenslangen Zeitraum gemeint. Basierend auf den MOOCathon-Tagen zuvor ist hier natürlich ebenfalls die Bedeutung der Motivation des Lernenden und deren Einfluss auf das individuelle Durchhaltevermögen gemeint. Nur mit der nötigen Neugierde entwickelt der Mensch die notwendige Basis, um auch beim Lernen den inneren Schweinehund zu überwinden und macht sich somit erfolgreich auf die (wenn auch nur in Teilen) selbstorganisierte Lernreise. Dies war dann auch die Frage, welche an diesem Tage an die Teilnehmer adressiert wurde: “Was motiviert Mitarbeiter/innen um beim Lernen motiviert bei der Sache zu bleiben? Ist es lediglich das Lernziel oder spielt hierbei auch der Spaß beim Lernen einen Rolle?” (Quelle: Viessmann am Mittwoch). Spaß kommt vor allem dann, wenn man die Eigenmotivation besitzt und für ein Thema “brennt”, was (in den meisten Fällen) schlussendlich ein längeres Durchhaltevermögen zur Folge hat.

Donnerstag: Selbstorganisation, oder: Wie managen wir das selbständige Lernen?

Nach dem Prolog, der Startetappe und dem Zeitfahren ist nun die Selbstorganisation an der Reihe. Viel wurde die gesamte Woche über die verschiedenen Lernformate und Methoden diskutiert. Je nach Unternehmen wird dem Lernenden ein eher strukturierteres Lernangebot angeboten oder eben viele kleine Lernbestandteile für ein eher selbstorganisiertes Lernen zur Verfügung gestellt. Doch wenn man sich auf die (Lern-)Reise des selbstständigen Lernens begibt, wie kann man das (sowohl als Unternehmen als auch als Mitarbeiter) noch managen? Geht das überhaupt? Was können die Verantwortlichen in Unternehmen hierbei an Hilfestellung leisten und welchen Anteil am Lern-Management hat der Lernende? Die auf der Seite des Donnerstags zu findende Aussage “Lernen wird kompliziert, und es ist schwierig, nicht die Orientierung zu verlieren” würden wir dahingehend modifizieren wollen, indem wir sie nicht als komplizierter sondern als komplexer bezeichnen würden. Wer mehr über den Unterschied zwischen kompliziert und komplex erfahren möchte, dem empfehlen wir den Beitrag von Niels Pfläging zu “Komplexithoden: Clevere Wege zur Agilität und zur (Wieder)Belebung von Arbeit in dynamischen Zeiten” von Niels Pfläging . Schlussendlich ist es so, dass all die Lernmethoden und Lernformate zusätzlich zur individuellen Motivation und der Neugierde des Lernenden passen müssen, damit man als Lernender nicht irgendwann die Orientierung (und das Durchhaltevermögen) verliert.

Freitag: Teambesprechung – Wrap up: Die neuen Lernenden

Wie bei einem Klassiker des Straßenrennens hört auch diese Woche mit einer abschließenden Teambesprechung und einer ersten Reflexion der Woche auf. Im Wrap Up nimmt das Viessmann-Team Stellung zur nun zu Ende gehenden MOOCathon-Woche, wo die Herausforderungen der Woche lagen und noch viel wichtiger, was sind die Erkenntnisse, welche man für sich aus dieser Woche zieht. Hier noch die Aufzeichnung zur Abschluss-Session:

WOL-Erfahrungen | Woche 6

Ziel der 6. Woche WOL war, das Potential der existierenden Netzwerke auszuschöpfen, hierzu solle man in bestehenden Netzwerken aktiv werden. Wir drei sind bereits in bestehenden Netzwerken (u.a. der EduCamp-Community) aktiv, werden dies aber noch auf andere Netzwerke erweitern müssen. Wichtiger Tipp war hierbei, dass man sich insbesondere Influencer zur Vernetzung aussuchen solle. Die Übung zu “ad hoc” vs. systematisch haben wir ausgelassen, da wir der Auffassung sind, dass es weniger darauf ankommt in zeitlichen Abfolgen zu Personen Kontakt aufzunehmen sondern vielmehr, wenn man auch einen Kommunikationsanlass hat.

MOOC-Aspekte der Viessmann-Woche

(Bild-Quelle: Viessmann)

Spannend war in der Viessmann-Woche u.a., dass auch sie selbst in ihrer Learner Journey MOOCs verorten. Zwar handelts es sich wohl weniger um unternehmensinternen MOOCs, aber Kurse, die einen ähnlichen Umfang haben (“Online Kurs im MOOC-Format”). Hierzu zählt z.B. DEEP – Digital Education & Enablement Programm mit Videoserie und Erklärvideos (u.a. mit Handlege-Technik >> 3-4min lang) von Fachleuten zu Themen wie Digital HR, Internet of Things (aktuell 8 Kapitel). Unterstützt wird dies durch den bereits erwähnten Gamification-Aspekt (Armbänder für Abschluss von Modulen >> nach außen “Digitalhirsch” darstellen). Außerdem werden externe MOOCs auf einer eigens eingerichteten Seite empfohlen.

Fazit

Für uns war auch diese Woche wieder vollgepackt mit neuen und inspirierenden Ideen, welche wir wie bereits ganz zu Beginn erwähnt intern weiterdenken werden. Auch haben wir festgestellt, dass die Vernetzung von Mitarbeitern zukünftig eine wesentlich größere Rolle spielen wird. Ein Umstand den wir als Dienstleister für den digitalen Wandel in Unternehmen natürlich sehr gerne sehen 🙂 Egal ob dies den Austausch der Mitarbeiter in internen oder externen Netzwerken betrifft. Man wird langfristig nicht um kollaborative Arbeits- und Lernumgebungen herum kommen, was aber auch bedeutet man muss die Mitarbeiter dazu befähigen.

Faszinierend war zu beobachten mit welcher Offenheit und mit welchem Ideenreichtum das Learning-Team von Viessmann sich den Herausforderungen stellt, beide Typen des Lernenden zu unterstützen und zukünftig enger zueinander zu führen. Neuen Formaten gegenüber offen sein, sie auszuprobieren und ggfs. für sich zu nutzen. Mitarbeitern neben gewissen Grundregeln genügend Freiräume zu geben sich von einem klassischen zu einem selbststrukturierten Lernenden zu entwickeln. Die Maßnahme der Vertrauenslernzeit (2 Stunden pro Mitarbeiter, pro Woche) plus ein definiertes Budget für Online- und Sprachkurse empfinden wir als sehr nachahmenswert.

Eine spannende Erkenntnis welche nochmals bekräftigt wurde war, dass nichts ohne Motivation, Neugierde und Freiräume geht. Die Motivation und die Neugierde sind der Motor für die individuelle Weiterentwicklung jedes Einzelnen!

Vielen Dank liebes Viessmann-Team für diese spannende Woche! 

Und wie immer: Stay connected,
Eure Gravity Learner AndreasMarcel und Thomas

2 thoughts on “MOOCathon #cl2025 – Runde 6 | Viessmann und die Suche nach der Neugierde

  1. Wieder eine Superzusammenfassung der Woche ! Hat mir sehr geholfen bei meinen eigenen Reflexionen. Was mir am Freitag noch aufgefallen ist, sind die Hinweise zum Einsatz von Podcasts, z.B. zur Vorbereitung auf Kundengespräche.
    Danke!

    1. Hallo Herr Giehmann und vielen Danke für das Feedback! Die Podcasts sind uns in der Tat auch noch aufgefallen 🙂 Auch diese haben in der richtigen Situation und Zielgruppe, wie eben die Vertriebsmitarbeiter, einen hohen Effekt. War auch für uns ein neuer spannender Ansatz.

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