Work-Life Balance – Bringe ich mit Homeoffice alles unter einen Hut?

Viele Diskussionen im Freundeskreis drehen sich immer mal wieder um das Thema „Arbeiten von zu Hause“ – ein Glaubenskrieg? Die einen sagen nein, ich könnte das nie, ich brauche den Kontakt zu den Kollegen, andere meinen, im Homeoffice lasse sich viel effizienter arbeiten, und das Private sei so auch besser mit dem Job in Einklang zu bringen.

Was richtig ist? Wohl beides! Hier ein Erfahrungsbericht aus meinen 15 Jahren Homeoffice – die ich nicht bereue, so viel sei schon vorweg genommen…

Es ist 6.00 Uhr – der Wecker klingelt. Die Kinder müssen zur Schule, der Mann ins Büro. Sind alle aus dem Haus, genieße ich einen ausgedehnten Spaziergang mit unserem Hund.

Während andere also schon genervt im Berufsverkehr stehen, kann ich die Zeit sinnvoll für mich nutzen und den Tag entspannt mit frischer Luft und Bewegung beginnen.

Geschäftsmann arbeitet mit Laptop im FreienPünktlich um 9.00 Uhr sitze ich am Laptop – wo das ist, ob im hauseigenen Büro, auf der Terrasse, am Esstisch … wie ich gekleidet bin, entscheide ich nach Lust und Laune und natürlich danach welche Online Termine anstehen. Ich bearbeite meine Mails und sehe im Sametime-Status meiner Kollegen, wer schon alles im Büro ist oder ebenfalls von zu Hause arbeitet. Auf diese Weise bin ich gar nicht so allein, auch wenn ich eigentlich weit entfernt sitze. Bei IBM Sametime handelt es sich um Instant Messaging Tool, mit Online-Anwesenheitsindikatoren und der Möglichkeit Online Besprechungen abzuhalten. Hier gibt es natürlich auch diverse andere Anbieter, die so etwas leisten können.

Meine Aufgaben heute drehen sich um die Erstellung eines Erklärvideos. Hier darf bei Sprachaufnahmen niemand unterbrechen, deshalb stelle ich mein Handy auf lautlos und meinen Sametimestatus auf “Bitte nicht stören”. Ich nehme den Text auf, anschließend auch die dazugehörige Präsentation/Animation und packe ein nettes Musikstück als Hintergrund dazu.

Später treffen meine Kollegen und ich uns in einem Sametime Online Meetingraum und gemeinsam schauen wir uns das Arbeitsergebnis an, um dem Video den letzten Feinschliff zu geben. Bei dieser Online Besprechung nutzen wir Audio/Video, so dass ich meine Kollegen auch sehen kann. Dies soll ja gelegentlich helfen, eventuellen Missverständnissen vorzubeugen.

Nach 4 Stunden getaner Arbeit verabschiede ich mich schließlich in den Feierabend. Die Kinder kommen bald aus der Schule. Das Tolle ist, ich muss mich nicht hetzen, für die Zubereitung des Mittagessens habe ich noch ausreichend Zeit.

Das ist der Regeltag. Falls notwendig, kann ich mir die Zeit aber auch freier einteilen, wenn ich beispielsweise einen dringenden privaten Termin habe. Dann schalte ich eben abends nochmal den Laptop für 2 Stunden an. Erfordert eine Aufgabe mehr Teamarbeit, dann freue ich mich auch über einen ganzen Tag im Büro.

Die unschlagbaren Vorteile für Homeoffice aus meiner Sicht sind:

  1. Weniger Störungen durch „Blabla“
    Zuhause kann man auch mal in Ruhe über Dinge nachdenken.
    Ich bin sicher, dass bei GIS auch die Tatsache, dass viele Kollegen zumindest teilweise von zu Hause arbeiten, dazu geführt hat, dass sich die Besprechungen auf das wirklich notwendige Maß reduzieren und sich vorwiegend auf bestimmte Tage konzentrieren.
  2. Weniger nerviges Pendeln
    Der tägliche Weg zur Arbeit ist laut Studien eine der größten Quellen von Unglück und Stress überhaupt. Nicht zu pendeln tut auch der Umwelt gut.
  3. Höhere Motivation
    Wer im Home Office sitzt, kann selbstbestimmter Arbeiten oder er empfindet es zumindest so. Das erhöht die Motivation!
  4. Bessere Work-Life-Balance
    Viele Angestellte mit langen Arbeitstagen beklagen, dass sie “sonst zu nichts kommen” oder keine Freiräume für kreative Ideen haben. Im Homeoffice lässt sich zwischendurch mal komplett die “Szene” wechseln und sei es seine Maschine Wäsche anschmeißen oder ein Brot zu kaufen. Und wer zwischendurch lieber mit seinen Kindern spielt, setzt sich eben abends nochmal zwei Stunden an den Computer. Ganz nach Gusto. Das entlastet das manchmal festgefahrene Gehirn, man tritt einen Schritt zurück und kann später seine Arbeit aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.
  5. Arbeitgeber spart Arbeitsplatzkosten
    Für die Homeoffice-Worker muss kein separater Arbeitsplatz im Büro vorgehalten werden. Wenn ein Teil der Mitarbeiter tageweise im Home-Office tätig ist, können mehrere einen Arbeitsplatz im Wechsel nutzen. Hierfür dienen in unserem GIS Büro sog. Denkerzellen als flexible Arbeitsplätze (für Details über unser neues GIS Büro verweise ich gerne auf den Blogbeitrag Arbeit 4.0 hier gibt es ein Video, in dem unser neues Büro vorgestellt wird).
  6. Homeoffice-Leute fallen weniger wegen Krankheit aus
    – wahrscheinlich auch, weil sie weniger Viren ausgesetzt sind.

 

Als Nachteile könnte man anführen:

  1. Schlechteres Networking
    Wer viel Wert auf systematisches Networking legt, sollte regelmäßig ins Büro gehen.
    Der informelle Büro-Schnack an der Kaffeemaschine hat schon für so manchen Informationsvorsprung gesorgt, der der Karriere höchst zuträglich war. Wer ständig zu Hause ist, kann eben den betrieblichen Flurfunk nicht ganz so empfangen, obwohl hier heute mit den auf dem Markt vorhandenen sozialen Werkzeugen gut entgegen gesteuert werden kann.
  2. Ungenügendes Teambuilding
    Sicher, Meetings können nervig sein. Aber viele Ziele sind einfach nur im Team zu erreichen. Und damit sich ein gutes Team bilden kann, muss man sich persönlich kennenlernen, auch um sich einschätzen zu können. Das funktioniert nur zwischen Menschen, die regelmäßig ins Büro kommen.
  3. Kontrollverlust
    Es ist nicht grundsätzlich verwerflich, wenn Chefs zumindest ungefähr wissen wollen, was ihre Mitarbeiter den lieben langen Tag so machen. Und das lässt sich natürlich leichter kontrollieren, wenn alle jeden Tag in die Firma kommen. Aber ist das bei den heutigen Aufgabenstellungen noch zeitgemäß – oder sollte stattdessen lieber Augenmerk auf das Arbeitsergebnis gelegt werden?
  4. Zu wenig Disziplin oder Selbstausbeutung
    Daheim auf Dauer erfolgreich arbeiten kann nur, wer sich selbst gut organisieren und motivieren kann, wer gut ist in Zeitmanagement und im Prioritätensetzen. Das ist aber längst nicht allen gegeben. Die Möglichkeit, zwischendurch Wäsche zu waschen oder einzukaufen, verführt eben auch dazu, sich total zu verzetteln und die Selbstkontrolle zu verlieren. Wichtig ist: Wer von sich selbst glaubt, dass er die notwendige Disziplin nicht hat, liegt damit in der Regel richtig.
    Die Trennung zwischen Arbeit und Nichtarbeit fällt vielen Homeoffice-Arbeitern schwer.
    Sie verlieren den Überblick darüber, wie viel sie arbeiten. Weil sie eine vernünftige Trennung zwischen Arbeiten und Freizeit nicht hinbekommen und ständig im Arbeitsmodus bleiben.

 

Für mich stellt sich die Frage, ob für die Arbeit im Homeoffice neben konkreten Zielvorgaben auch zwingend klare Verabredungen für die Arbeitszeiten notwendig sind. Der Fokus sollte meines Erachtens vor allem auf den Arbeitsergebnissen liegen! Die Notwendigkeit von festen Arbeitszeiten hängt immer auch vom Thema der Arbeit ab. Dies zeigt beispielsweise eine Firma Automattic (u.a. Anbieter von WordPress) deren Mitarbeiter über die ganze Welt verteilt aus dem Homeoffice heraus zu unterschiedlichsten Zeiten arbeiten und wo nur der Output zählt statt den Anwesenheitsstunden.

Selbstmanagement und Selbstschutz sind – denke ich – wichtige persönliche Fähigkeiten, die man mitbringen sollte, um das Homeoffice für sich effektiv und produktiv zu gestalten.

Ein Unternehmen sollte dagegen die nötige IT-Infrastruktur bereitstellen können und klären, welche Rechte ein Mitarbeiter hat, der im Homeoffice arbeitet, auf welche Ressourcen er zugreifen können soll und ob der Datenschutz gegeben ist.

Das Verschwimmen einer klaren Grenze zwischen Beruflichem und Privatem ist für mich dabei gar nicht negativ.
Die stärkere Identifikation mit einem Unternehmen bedeutet aus meiner Sicht nicht den Verlust des Privaten. Vielmehr eröffnet sich dadurch eine Vielzahl von Chancen:
Der Spaß an der Arbeit für ein Unternehmen, mit dem man sich identifiziert, ist ungleich höher.
Ich freue mich für ein Unternehmen zu arbeiten, das auf meine persönlichen Präferenzen und meine eigene Situation eingeht. Es motiviert mich, erhöht die Zufriedenheit an der Arbeit und damit meine Produktivität!

 

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