Leadership im digitalen Zeitalter

Die Einführung von Social Business macht auch vor dem Management nicht halt. Im Gegenteil, genau hier stecken viele Einführungsprojekte in einer Sackgasse. Denn leider wird der Fokus nur auf die Mitarbeiter gelegt, das Management steht meist erst einmal aussen vor. “Man will sich das erstmal anschauen, Erfahrung sammeln.” Aber genau in der Führung muss sich etwas verändern, damit ein Unternehmen sich weiterentwickelt.

Business DiagrammDie klassische Führung kommt ursprünglich aus dem Zeitalter der Industrialisierung und hatte das Ziel eine Struktur zu schaffen, die genau reproduzierbar und messbar ist (Ursprünge entstammen von Frederick Winslow Taylor, 1856–1915). Hieraus entstanden bis in die heutige Zeit immer wieder Prinzipien, Methoden und Werkzeuge, die im Kern die Aufgabe haben, dass das Management organisiert, steuert, kontrolliert und optimiert. Diese Management Kultur ist tief verankert in der heutigen Unternehmens-DNA der etablierten Firmen und wird auch auf die nicht-industriellen Bereiche wie Wissensarbeit und Dienstleistung angewandt.

Die passende Organisationsstruktur, die sich parallel dazu entwickelt hat, ist die “Hierachie” im Unternehmen. Dabei werden Entscheidungen häufig auf Führungsebenen getroffen. Je “wichtiger” die Entscheidung, desto höher sollte sie in der Hierachie auf den oberen Ebenen entschieden werden. Um Entscheidungen wiederum treffen zu können, müssen die richtigen Informationen gesammelt werden und an die entsprechende Ebene gelangen. Das Management stellt damit den Knotenpunkt von Informationsflüssen und Entscheidungen dar.

Dass diese an Ihre Grenzen stößt hat drei wesentlich Gründe:

  1. Geschwindigkeit der Veränderung nimmt exponentiell zu
    Die Änderungsgeschwindigkeit und das Informationswachstum im Unternehmen
    erhöhen sich schneller als je zuvor und lassen häufig eine feste Struktur nur noch teilweise zu. Damit wird das traditionelle Organisieren und Steuern nicht mehr möglich. In den letzten 100 Jahren sind die Stabilitätsphasen eines Unternehmens immer kürzer geworden, und der Trend setzt sich weiter fort.
  1. Der Wettbewerb wird stärker und globaler (Hyper Competition)
    Durch die Globalisierung ist der Wettbewerb um Märkte und Mitarbeiter weiter gewachsen. Dabei hat die Komplexität der Unternehmen an den verschiedensten Stellen zugenommen, wie zum Beispiel:
    Organisatorisch in der Unternehmensstruktur und -größe,
    in der Anforderung an die Produkte und Leistungen,
    sowie in der Informationsmenge und Geschwindigkeit.
  2. Wissen ist ein Massenartikel
    Wissen wird immer einfacher auffindbar und reproduzierbar. Daher ist eine Herausforderung neues Wissen zu generieren und Erkenntnisse zu produzieren, und damit einen Wissensvorsprung zu behalten. Durch häufig wechselnde Mitarbeiter und im Internet auffindbare Informationen ist die Verbreitung von Wissen schneller als je zuvor.

Mit den bisherigen Management Methoden und Strukturen stoßen die Führungskräfte nun an Ihre Grenzen und stöhnen unter der Arbeitslast und dem ansteigenden Druck. Einerseits über alles informiert zu sein und die Entscheidungen über die Hierarchie zu fällen, führt zu immer größeren Problemen. Da ich selber auch als Führungskraft in einem hierarchischem Unternehmen tätig war, kenne ich diese Problematik aus eigener Erfahrung und erlebe sie heute immer wieder auch in Kundenprojekten. Die Handhabung der Komplexität und nötige Entscheidungsgeschwindigkeit ist dann nicht mehr möglich. Daher werden in Zukunft neue Anforderungen auch gerade an die Führung gestellt.

“Der Manager der Zukunft braucht nach Prof. Peter Kruse (Video YouTube) vier Fähigkeiten:
1. Er muss Systeme organisieren können im optimierenden Sinne
2. Er muss Menschen coachen können im Sinne der Teambildung
3. Er sollte Menschen faszinieren können im Sinne der gemeinsamen Sinnstiftung
4. Er sollte in der Lage sein, die Menschen zu vernetzen im Sinne einer übersummativen Intelligenz”

Hieraus können wir die erweiterte Rolle der Führungskraft definieren:

  • Agiert als Vermittler im Unternehmen
  • Selbstorganisation zulassend, moderieren und koordinieren
  • Spagat zwischen Hierarchie und Netzwerk (Gleichberechtigt im Netzwerk, aber auch Chef -> Primus inter Pares)
  • Transparenz und Authentizität (Feedback gebend und nehmend)
  • Motivierend und sinngebend

Wie vorher schon erläutert, ist die Führung auch abhängig von der Organisationsstruktur. Eine Veränderung ist auch hier dringend notwendig. Ich sehe den Trend zu einer netzwerk-orientierten Arbeitsweise, als Ergänzung zur hierarchischen Struktur. Da ich den Sachverhalt als sehr wichtig ansehe, plane ich darauf in einem späteren Eintrag noch einmal etwas tiefer einzugehen.

Was hält nun aber die Führungskräft ab, sich dem Thema näher zu widmen? Es soll ja gerade auch Ihnen helfen, die Arbeitslast zu reduzieren und das Unternehmen voranzubringen. Nach meiner Erfahrung sind es Bedenken zu Macht- und Kontrollverlust, die häufig auch unterschwellig als Fragen immer wieder aufkommen: “Dann bekomme ich ja nicht mehr alles mit”. Dabei wird häufig außer acht gelassen, dass dies mittlerweile durch die Flut von Informationen schon nicht mehr möglich ist und nur ein Bruchteil der Informationen ankommt bzw. verstanden wird. Wenn dann daraus wichtige Entscheidungen abgeleitet werden, kann dies zu einem hohen Risiko für das Unternehmen führen.

Da die neue bzw. erweiterte Rolle der Führungskraft neue Fähigkeiten abverlangt, sollte gerade hier der Fokus gesetzt und Unterstützung angeboten werden. Führungsseminare, die helfen die neue Rolle zu verstehen und besser ausfüllen zu können, gehören nach meiner Einschätzung damit zu einem Pflichtbestandteil bei der Einführung von Social Business.

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